Kanarien

Kanarien

 

Klasse: Vögel (Aves)
Ordnung: Sperlingsvögel (Passeriformes)
Familie: Finken (Fringillidae)
Unterfamilie: Stieglitzartige (Carduelinae)
Gattung: Girlitz (Serinus)

 

Kanarienhahn  Kanarienhenne

Farbkanarien Hahn (Rot)       Farbkanarien Henne (Schecke)



Beschreibung:
Sie erreichen eine Körperlänge von rund 10 bis 15 cm sowie ein Gewicht von 18 bis 25 Gramm, ihr Schnabel ist kurz aber kräftig der die Form eines Kegels aufweist. Ihr Schwanz ist gemessen an der Körpergröße recht lang. Die dünnen Beine enden in 4 Krallen, wovon eine nach hinten gerichtet ist. Die ursprüngliche Wildfarbe (ähnlich unserem heimischen Girlitz) wurde im Laufe der Züchtungen verloren. Bei diesen Zuchtformen sind die Geschlechter gleich gefärbt, wobei die Färbung des Hahnes bei grün und manchem rot der Vögel nur wenig intensiver ist. Geübte Halter und Züchter können die Geschlechter der Kanarienvögel meist an der Form der Kloakenöffnung unterscheiden da diese bei älteren Hähnen zapfenförmig ist. Dieses Merkmal wird allerdings erst bei geschlechtsreifen Tieren deutlich.

Verbreitung:
Die Kanarischen Inseln, Madeira, die Azoren und die Kapverdischen Inseln gehören zum Verbreitungsgebiet dieser Vögel. Sie bevorzugen offene Landschaften, lichte Wälder und sonnige Berghänge. Sie halten sich in der Regel auf Büschen und Bäumen auf, in denen sie auch ihre Nahrung suchen. In trockenen Gegenden suchen sie häufig Wasserflächen zum Trinken und Baden auf.

Nahrung:

Sie ernähren sich hauptsächlich von Sämereien, jungen Trieben sowie von reifen Früchten wie Beeren oder Äpfeln.

Im Handel kann man eigens für Kanarien Futter erwerben welches aus –je nach Hersteller- Kanariensaat, Rübsen, Negersaat, Haferkerne, Leinsamen, Hanfsaat, Perillasamen, Wildsamen, Austernschale besteht. Allerdings gibt es auch spezielles Futter für z.B. Positurkanarien als auch Farbkanarien. Des Weiteren bekommen sie Salat und auch Obst wie zum Beispiel Äpfel, Birnen und Bananen, je nach dem was im Handel angeboten wird. Auch sollten Mineralien und Grit immer zur Verfügung stehen.


Fortpflanzung:
Die Brutzeit beginnt in den Monaten Februar und März. Der Paarbildung geht einer Balz vorher die aus aufwendigen Flugmanövern und Gesang von statten geht. Hat sich ein Pärchen dann gefunden, so beginnt die Henne mit dem Nestbau. Das Weibchen legt zwischen 3 und 5 Eier die von ihr über einen Zeitraum von 14 Tagen ausgebrütet werden. Während der Brutzeit versorgt der Hahn die Henne mit Nahrung, da die Henne immer nur sehr kurz zum Kotabsatz das Nest verlässt. Nach dem Schlupf werden die Küken durch den Hahn mit Nahrung versorgt und von der Henne gehudert. Die Jungvögel verlassen ca. ab dem 16. Tag das Nest, verbleiben aber noch bis zum 30.Lebenstag bei der Henne. Die Geschlechtsreife erreichen die Jungvögel mit etwa 4 Monaten. Die Tiere erreichen in Gefangenschaft ein Alter von 10 bis 12 Jahren.


 

Die Geschichte der Kanarienvögel
Die Geschichte um die Weiterverbreitung und Züchtung der Kanarienvögel stand niemals still. Heute weiß man, dass alles vermutlich im Jahre 1496 angefangen haben musste. Zu dieser Zeit wurde der Kanarengirlitz, die Stammform des Kanarienvogels, von den Spaniern zu uns nach Europa gebracht. Seinen Namen erhielt der Kanarengirlitz durch seinen Ursprungsort, den Kanarischen Inseln.

Als die Kanarienvögel in Europa angekommen waren, wurden sie schnell in die Herzen der Europäer aufgenommen. Besonders beliebt waren sie vor allem wegen ihres schönen und lieblichen Gesangs. Aber auch ihre fröhliche Erscheinung ließ sie schnell zu einem allseits geliebten Vogel werden. Menschen, die sich Kanarienvögel hielten, nahmen diese als Symbol, um ihren Reichtum und ihre Weltgewandtheit bei anderen Menschen ausdrücken zu können.

Die Weiterverbreitung der Kanarienvögel ging rasant voran. So mussten diese Tiere bald zu Hauf über Schiffe nach Europa übergesiedelt werden. Gezüchtet wurden die Kanarienvögel dann von europäischen Mönchen. Die Spanier sahen, dass sie mit dem Verkauf von Kanarienvögeln zu großen Reichtum gelangen konnten und verkauften diese Vögel an England, Portugal, Frankreich und Italien. Bei Züchtungen kam es noch vor den Jahre 1600 zu Mutationen.

Im Jahre 1550 kamen jedoch die Italiener in den Besitz von weiblichen Kanarienvögeln und begannen damit, diese Tiere selbst zu züchten. Damit brach das Monopol der Spanier, die bewusst nur Kanarienvogelmännchen verkauft hatten, zusammen. Königin Elisabeth I war von den Kanarienvögeln äußerst angetan und ließ diese züchten. Später kam es vermehrt zu Züchtungen, auch in anderen europäischen Ländern.

Anfangs wegen des schönen Gesangs gezüchtet, wurden die Kanarienvögel zunehmend auch im beginnenden Bergbau eingesetzt, weil sie sehr empfindlich auf das bedrohliche Grubengas reagierten. Hörte der Kanarienhahn in der Grube auf zu singen, war es höchste Zeit für die Bergarbeiter, den Stollen zu verlassen. So retteten die Kanarienvögel vielen Bergarbeitern das Leben. Außerdem hatte die Kanarienzucht gerade für die Arbeiter eine Nebenerwerbsfunktion, da für gute Sänger häufig ein vielfacher Wochenarbeitslohn gezahlt wurde. Züchterisch wurde bis Ende des 16. Jahrhunderts lediglich auf den Gesang geachtet. Das farbliche Aussehen der Vögel war bis dahin egal.

Als die Erzgruben nicht mehr viel hergaben, wanderten viele aus Tirol ab. Die einen gingen als Weber nach Westeuropa, die anderen als Bergleute in den Harz. Ihre Kanarienzucht nahmen sie dabei mit. Vom Harz aus sollte dann der Kanarienvogel als „Harzer Edelroller“ einen wahren Siegeszug durch die gesamte Welt antreten.

Schon sehr bald kamen bei der Züchtung weiße und gelbe Kanarienvögel heraus. In Tirol war man im 17. Jahrhundert auch damit beschäftigt, einen Handel aufzubauen, mit welchem man die Kanarienvögel in die ganze Welt verschickte. Nun war eine Züchtung dieser Tiere kaum mehr auszuhalten. Doch erst im 20. Jahrhundert begann man wieder damit, sich bewusst andere Rassen dieser Tiere heran zu züchten. Heutzutage sind Kanarienvögel immer noch beliebte Haustiere, die einem mit ihrem schönen Gesang den Tag versüßen.


Rassen im Überblick:
Man unterscheidet Gesangs-, Gestalts/Positur- und Farbkanarien.


Farbkanarien:
Die Grundfarbe der Kanarien geht von gelb über rot und weiß, wobei das gelb und rot aus den Lipochromen (bezeichnete die in Fetten löslichen Pigmente oder auch anders gesagt die Fettfarbe, womit die Grundfarbe des Gefieders gemeint ist) durch Provitamin A und Caratinoide (Naturfarbstoffe) die mit der Nahrung aufgenommen werden, gebildet wird.
Mit Melanin (Pigmentfarbstoffe) bezeichnet man alle dunklen Farben wie schwarz und braun und verursachen die arteigene Zeichnung der Kanarien.

 

Unterschieden wird in:
Aufgehellte
- besitzen keine Melaninzeichnung im Gefieder und besitzen die Lipochrom oder Grundfarben in z.B. gelb, rot oder weiß
Melaninvögel - zeigen Melaninfarben im Gefieder und besitzen eine Grundfarbe in z.B. gelb, rot oder weiß


Die Zeichnung des Gefieders wird zwischen Schimmel, Mosaik und Intensive unterschieden.


Einige Farbbeispiele sind:

Rot – durch Einkreuzung des Kapuzenzeisigs konnte der Rotanteil in die gelben bzw. gelbgrundigen Kanarien übertragen werden
Ivoor - Dieser Faktor schwächt die Lipochromfarbe -gelb oder rot- zu einer zarten und pastellartigen Grundfarbe ab
Weiß - Weißgrundige Kanarien haben die Fähigkeit verloren, Lipochrome in der Feder einlagern zu können, obwohl sie dazu genetisch in der Lage wären. Melanine können aber nach wie vor gebildet werden.
Inos - ist eine Sammelbezeichnung für Albinos (Weiße), Rubinos (Rote) und Lutinos (Gelbe) die alle keinerlei Melanine besitzen und rote Augen haben.



Gestalts/Positurkanarien:
Bei den Gestalts- oder Positurkanarien wird größter Wert auf das Aussehen der Vögel gelegt. Züchter unterscheiden kleine, große gebogene, frisierte und glatte Rassen.

Sie werden wie Folgt unterteil:
Kleinen glatten Rassen: dazu gehören die Rassen Fife, Gloster, Deutsche Haube, Lizard und Raza Espanola
Großen glatten Rassen: dazu gehören die Rassen Border, Berner, Yorkshire, Norwich, Crested /Crestbred und Lancashire
Figurenkanarien: dazu gehören die Rassen Münchener, Rheinländer, Japan Hoso, Scotch und Bossu Belge
Frisierten: dazu gehören die Rassen Gibber Italicus, Makige, Südholländer, Schweizer Frisé, Giboso Espanol, Melado Tinerfeno, Fiorino, Nordholländer, Paduaner, Pariser Trompeter, Mehringer und AGI



Gesangskanarien:
Bei dieser Zuchtform wird besonders Wert auf den schönen Gesang gelegt.
Hier wird versucht, den Gesang junger Kanarienvögel gezielt zu beeinflussen. So gibt es heute verschiedene Rassen, die sich durch einen typischen Gesang voneinander unterscheiden. Der bekannteste Sänger von ihnen ist der Harzer Roller, aber es gibt noch anderer wie bzw. den Wasserschläger und Timbrado Espanol.